Checkliste - Qualitätskriterien für Wohngemeinschaften

Seit Mitte 2006 hat das Bundesmodellprojekt „Qualitätssicherung in ambulant betreuten Wohngemeinschaften (nicht nur) für Menschen mit Demenz“ daran gearbeitet, bundesweit geltende Qualitätskriterien für Wohngemeinschaften (WGs) zu entwickeln. Träger des vom Bundesministerium für Senioren, Familie, Frauen und Jugend geförderten Bundesmodellprojektes sind die „Freunde alter Menschen e. V.“, Berlin in Kooperation mit der Alzheimer Gesellschaft Brandenburg e. V., Potsdam.
Innerhalb des Projekts agiert eine Bundesarbeitsgemeinschaft, in der 14 Bundesländer vertreten sind und die sich zusammensetzt aus Teilnehmern und Teilnehmerinnen der Fachministerien der Länder, Heimaufsichten, Alzheimer Gesellschaften und Beratungs- und Koordinierungsstellen.

Das Bundesmodellprojekt hatte sich vorrangig mit Fragen von Qualität für ambulant betreute Wohngemeinschaften auf der Konstruktionsebene befasst. Die zentrale Frage dabei war (und ist!): Wann und unter welchen Bedingungen sind die Mitglieder einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft „strukturell unabhängig“, in Form von Selbstvertretung, Selbstorganisation und der Möglichkeit, den Alltag selbst bestimmt zu gestalten. In der bundesweiten Fachdiskussion überwiegt mittlerweile die Erkenntnis, dass nur wenn diese Bedingung gegeben ist, notwendiger (Verbraucher)Schutz auch ohne Zuständigkeit der (Heim)Aufsichtsbehörden gewährleistet werden kann.

In der Praxis bestand und besteht die Schwierigkeit, Kriterien zu benennen, anhand derer Selbstorganisation und Selbstbestimmtheit identifiziert werden können.
Dieser Aufgabe hat sich das Projekt gestellt und die nachfolgende „Checkliste“ erarbeitet.
Hinsichtlich des gewählten Aufbaus ist hervorzuheben, dass nach Auffassung der Bundesarbeitsgemeinschaft die Beziehungen der an der Wohngemeinschaft beteiligten Akteure zum Gegenstand der Betrachtung gemacht werden müssen. Es sind dies:

  1. Die Beziehung der WG-Mitglieder untereinander
  2. Die Beziehungen zwischen WG-Mitgliedern und beteiligten Dienstleistern
  3. Die Beziehungen zwischen WG-Mitgliedern und Vermieter
  4. Die Beziehungen zwischen WG-Mitgliedern und einer evtl. involvierten „3. Instanz“ (Moderator, Beirat, Ombudsleute etc.)

Diese Beziehungen wurden in einer Gesamtbetrachtung daraufhin untersucht, ob sie derart gestaltet sind, dass sie die „strukturelle Unabhängigkeit“ der WG-Mitglieder sicherstellen können.
Die in der Checkliste formulierten Fragen sollen eine Hilfestellung bieten, ein „Wohngemeinschafts-Projekt“ zu beraten, zu beurteilen und – in letzter Konsequenz – von einer Einrichtung im Sinne des (derzeitigen!) Heimgesetzes abzugrenzen. Dabei formulieren die Fragen in ihrer Gesamtheit einen hohen Anspruch an das, was man nach heutigem Erkenntnisstand von einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft erwarten darf.

In der derzeit bekannten Wohngemeinschaftslandschaft erfüllt wohl kaum ein Projekt den gesamten Kanon an Qualitätskriterien, der mit der Checkliste abgefragt wird. Dieser Tatsache wird in der Checkliste Rechnung getragen, indem Merkmale als wünschenswert („Soll-Kriterien“) und andere als unabdingbar („Muss-Kriterien“) für die Einstufung als selbst organisierte und selbst bestimmte Wohngemeinschaft herangezogen werden.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft hat bewusst darauf verzichtet, diese Einteilung vorweg zu nehmen, um die spezifischen Gegebenheiten in jedem Bundesland/jeder Kommune zu berücksichtigen. In der aktuellen Fachdiskussion kristallisieren sich aber zunehmend zentrale „Muss-Merkmale“ heraus, wie:

  • Trennung von Miet- und Pflegevertrag
  • Schriftliche Vereinbarung der WG-Mitglieder zur Regelung des Alltags
  • Gelebte, d. h. nachvollziehbare Verantwortungsteilung
  • Wahlfreiheit bezüglich der Dienstleister
  • Einfluss auf Art und Menge der entgegen genommenen Dienstleistungen

Bei allen darüber hinaus gehenden Qualitätskriterien ist die Diskussion noch nicht abgeschlossen bzw. bestehen unterschiedliche Ansichten.
Wir sind dennoch überzeugt, dass die präsentierte „Checkliste“ hilfreich sein kann, die Diskussion um erforderliche und erwünschte Qualitätsmerkmale im Sinne von Selbstorganisation und Selbstbestimmung zu konzentrieren und sich in dem rasant entwickelnden Markt von Wohngemeinschaften zu positionieren.

Wir sind dankbar für Kommentare, Korrektur- und Ergänzungswünsche und – ganz besonders – Ihre Erfahrungsberichte im Umgang mit der „Checkliste“.

Angelika Winkler und Werner Futterlieb
Alzheimer Gesellschaft Brandenburg e.V.

Klaus-W. Pawletko                
Freunde alter Menschen e.V.

Ansprechpartner

Klaus-W. Pawletko
Geschäftsführer Freunde alter Menschen e.V.

Tieckstraße 9
10115 Berlin
Tel. 030/ 13 89 57 90

Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e.V. Selbsthilfe Demenz

Stephensonstraße 24-26
14482 Potsdam
Tel. 0331/ 740 90 08
Fax 0331/ 740 90 09

Ein Webangebot der les petits frères des Pauvres - Freunde alter Menschen e. V., Hornstraße 21, DE - 10963 Berlin, Telefon: (030) 691 1883, www.famev.de | Impressum.