Länderatlas ambulant betreute Wohngemeinschaften
Wohngemeinschaften als Orte des Wohnens und der Betreuung, Versorgung und Pflege haben mehrere Wurzeln.
Als Wohn- und Betreuungsform haben sie sich im Psychiatrie- und Behindertenbereich bereits in den 70er Jahren etabliert.
Ihre Ursprünge in der Altenhilfe haben sie in den 90er Jahren genommen – einerseits als „Alt und Jung“- Projekte vom gleichnamigen Verein in Bielefeld andererseits als spezifische Wohn- und Betreuungsform für Menschen mit Demenz in Berlin ab 1995, die vom Verein „Freunde alter Menschen“ initiiert wurden.
Anfänglich als „exotische Modellprojekte“ beargwöhnt oder – je nach Standpunkt - begeistert aufgenommen, hat es einige Jahre gedauert, bis sie sich als regelhaftes Angebot innerhalb der ambulanten Versorgung etablieren konnten.
Mittlerweile genießen ambulant betreute Wohngemeinschaften (nicht nur) für Menschen mit Demenz ein hohes Ansehen bei allen Beteiligten, auch wenn nicht alle „Projekte“ die Erwartungen erfüllen können, die in sie gesetzt werden.
Insbesondere der von den Pionieren dieser Wohnform intendierte Paradigmenwechsel in der Beziehung von Sorgebedürftigen und Anbietern von Betreuungs- und Pflegeleistungen hat nur partiell stattgefunden. Zunehmend treten ambulante Dienste und andere Träger als Anbieter von „Wohngemeinschaftsversorgung“ auf den Markt und konkurrieren - erfolgreich, wie es scheint – mit den Projekten, die „geteilte Verantwortung“ zum Maßstab des gemeinsamen Handelns von zu Betreuenden und Betreuten machen.
Die in einigen Bundesländern enorme Verbreitung von ambulant betreuten Wohngemeinschaften wäre denn auch ohne die massiven Initiativen von „Trägern“ nicht möglich gewesen. Entsprechend schwer ist eine Bewertung dieser Entwicklung: Befürwortet man flächendeckende Angebote an ambulant betreuten Wohngemeinschaften, wird man diesen Trend eher gutheißen. Als Verfechter eines Paradigmas der Nutzersteuerung und der geteilten Verantwortung wird man diese Entwicklung kritisch und mit Skepsis betrachten.
Der vorliegende „Länderatlas“ hält sich mit Bewertungen der WG-Situationen in den einzelnen Bundesländern zurück. Zum einen sind empirisch gesicherte Aussagen zur Konstruktion und Qualität der einzelnen Projekte kaum verfügbar, zum anderen hatte das zugrunde liegende Material sehr unterschiedliche Qualität. Aus einigen Regionen ließen sich überhaupt keine Informationen gewinnen, so dass es nicht zu vermeiden war, „weiße Flecken“ auf dem Länderatlas zu akzeptieren.
Wir hoffen dennoch, dass es uns gelungen ist, einen Überblick zu präsentieren, der es potentiellen Nutzern und Initiatoren, Dienstleistern und Behörden leichter macht eine erste Orientierung in der „WohngemeinschaftsLandschaft“ zu gewinnen.
Die Systematik der Darstellung ist für alle Bundesländern gleich: Nach einer allgemeinen Beschreibung der Situation von ambulant betreuten Wohngemeinschaften (ungefähre Anzahl, regionale und konzeptionelle Schwerpunkte, beteiligte Akteure etc.) folgt eine Darstellung der Rahmenbedingungen zur Etablierung von WGs (Verortung im neuen Landesheimrecht, Einschätzung des Immobilienmarkts, Finanzierungsbedingungen) Am Ende jedes Landeskapitels finden Sie schließlich eine Auflistung von Beratungsstellen bzw. Organisationen, die sich der Qualitätssicherung in ambulant betreuten Wohngemeinschaften verschrieben haben.
Dieser Länderatlas ist ein „dynamisches“ Werk, dessen Aktualität auch von Informationen der Nutzer in den einzelnen Regionen abhängt. Wir möchten Sie deshalb bitten, uns Neuigkeiten in Ihrem Umfeld mitzuteilen. Benutzen Sie hierfür die Kontaktmöglichkeiten auf der Website des Projekts „Qualitätssicherung in ambulant betreuten Wohngemeinschaften“ (www.wg-qualitaet.de), die auch nach Abschluss des Projekts als Plattform der bundesweiten Qualitätsdiskussion weiter bestehen wird.
Die folgende Übersicht ist als „Dauerbaustelle“ zu verstehen, die ständig den neuen Entwicklungen angepasst wird. Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und Ergänzungen!

