Willkommen auf der WG-Qualität-Seite von Niedersachsen

Ausgangslage
Die Anzahl ambulant betreuter Wohngemeinschaften hat auch in Niedersachsen in den letzten Jahren stark zugenommen. Waren es im Jahr 2002  noch 9 Wohngemeinschaften, so ist ihre Zahl heute auf über 40 Wohngemeinschaften angestiegen. Weitere Wohngemeinschaften sind in der Planung.

Eine aktuelle Liste der Wohngemeinschaften finden Sie hier. Sie richten sich sowohl an Menschen mit Demenz als auch an andere Zielgruppen.

Die Mehrheit der Wohngemeinschaften wurde von Pflegediensten initiiert. Bei ungefähr einem Drittel der Wohngemeinschaften ging die Initiative von einem Verein aus oder es sind Vereine beteiligt. Sie begleiten die WG-Mitglieder, übernehmen einen Teil der Betreuung und/oder haben als Generalmieter Verantwortung für die Vermietung. In den meisten Wohngemeinschaften sind Pflegedienste oder andere Dienstleistungsanbieter für die Pflege und alltägliche Versorgung/Betreuung zuständig. In zwei Wohngemeinschaften übernehmen Vereine einen Großteil der Versorgung und in einer weiteren Wohngemeinschaft sind darüber hinaus Angehörige für die Alltagsgestaltung zuständig. Ein Pflegedienst wird nur für die pflegerische Versorgung hinzugezogen, wenn die Angehörigen dies nicht leisten können.

Das Land Niedersachsen steht ambulant betreuten Wohngemeinschaften generell positiv gegenüber, da sie dem Grundsatz ambulant vor stationär entsprechen. Im Jahr 2005 förderte das Land ein Projekt zur Qualitätsentwicklung in ambulant betreuten Wohngemeinschaften, das von der Niedersächsischen Fachstelle für Wohnberatung durchgeführt wurde. Die Ergebnisse liegen jetzt vor. (Link Qualitätsentwicklung)

Qualitätsentwicklung
Das Land Niedersachsen förderte im Jahr 2005 ein Projekt zur Qualitätsentwicklung in ambulant betreuten Wohngemeinschaften, dass von der Niedersächsischen Fachstelle für Wohnberatung durchgeführt wurde. Als Ergebnis liegen ein Verfahren zur Qualitätssicherung und Qualitätskriterien vor, die sich sowohl auf Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz als auch auf Wohngemeinschaften für Menschen mit anderweitigem Hilfe- und Pflegebedarf anwenden lassen. Die Praktikerinnen/Praktiker aus den Wohngemeinschaften, Interessenvertreterinnen/-vertreter der Seniorinnen/Senioren und unterstützende Institutionen - überwiegend aus Niedersachsen – haben  sich aktiv beteiligt. Bundesweite Erfahrungen wurden einbezogen. Zur Erarbeitung eines tragfähigen Ergebnisses wurden in einem ersten Arbeitsschritt sechs Arbeitsgruppen gebildet, in denen eine Vorlage der Fachstelle diskutiert und überarbeitet wurde. Dieser Zwischenstand wurde den Beteiligten und allen Vertreterinnen/Vertretern aus den Wohngemeinschaften mit der Möglichkeit zur Rückmeldung zugänglich gemacht. In zwei Veranstaltungen wurden die Kriterien und das Verfahren zur Qualitätssicherung mit allen Projektbeteiligten diskutiert, modifiziert und abgestimmt.

Die Kriterien wurden nicht als verbindliche Mindeststandards formuliert, sondern sind als Handlungsempfehlungen und Richtschnur zu verstehen. Sie sollen Hilfestellung beim Aufbau und bei der Weiterentwicklung von Wohngemeinschaften geben und unterstützenden und beratenden Institutionen, Interessentinnen/Interessenten und WG-Mitgliedern bzw. deren gesetzlichen Vertreterinnen/Vertreter sowie der Heimaufsicht zur Orientierung und Bewertung von Wohngemeinschaften dienen.

Zu folgenden Fragestellungen wurden umfangreiche Qualitätskriterien verfasst:

  • Selbstbestimmung: Wie kann gewährleistet werden, dass die WG-Mitglieder ihr Zusammenleben (ggf. mit Unterstützung durch ihre gesetzlichen Vertreterinnen/Vertreter) in allen Bereichen selbstbestimmt gestalten können?
  • Wohnung und Wohnumfeld: Wie sollten die Wohnung und das Wohnumfeld gestaltet sein, damit die Gemeinschaft, Selbständigkeit und Aktivitäten gefördert, Individualität und Rückzug ermöglicht werden und ein hohes Maß an Sicherheit geboten wird?
  • Betreuung, Pflege, Hauswirtschaft: Welche Anforderungen an Pflege, hauswirtschaftliche Unterstützung und Betreuung sowie an die Gruppenzusammensetzung sind zu stellen, damit das individuellen Wohlbefinden und die Ressourcen der WG-Mitglieder gefördert werden und ein konstruktives Gemeinschaftsleben zustande kommt?
  • Personalausstattung: Über welche Qualifikationen/Kompetenzen sollten Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter verfügen und wie viel Anwesenheit von unterstützenden Personen ist notwendig?
  • Finanzierung: Wie sollte die Finanzierung aussehen, damit sie nachvollziehbar ist und die Existenz der Wohngemeinschaft gesichert ist?

Eine Checkliste im Anschluss an die ausführliche Darstellung und Begründung der Qualitätskriterien erleichtert den Umgang mit den Qualitätskriterien und dient der schnellen Überprüfbarkeit von Angeboten und Konzepten.

Außerdem wurde ein Verfahren entwickelt, wie mit Hilfe der Kriterien die Qualität in den Wohngemeinschaften überprüft werden kann. Es liegt selbstregulativ in den Händen der beteilten Akteure der Wohngemeinschaften (WG-Mitglieder bzw. deren gesetzliche Vertreterinnen/Vertreter, unterstützende Institutionen, Dienstleistungsanbieter) und ermöglicht gleichzeitig auch für Außenstehende mehr Transparenz. Neben einer Selbstverpflichtung, in der offen gelegt wird, welche Akteure jeweils für die Umsetzung der Qualitätskriterien zuständig sind, muss gewährleistet sein, dass die Interessen der WG-Mitglieder, sofern sie diese nicht mehr selbst vertreten können,  durch Angehörige/rechtliche Betreuerinnen/Betreuer ausreichend vertreten werden. Dies erfolgt durch regelmäßig stattfindende WG-Sitzungen und  über Vereinbarungen, die die WG-Mitglieder bzw. deren Interessenvertreter miteinander abschließen, damit sie auch als Gruppe ihre Interessen durchsetzen können.

Die Kriterien und das Verfahren zur Qualitätssicherung sind in einer Broschüre veröffentlicht, die noch weiterführende Informationen über Wohngemeinschaften enthält und die auf der Website des Landes Niedersachsen zur Verfügung gestellt werden.


Hilfe in meiner Nähe

Die Adressdatenbank "Hilfe in meiner Nähe" des Wegweisers Demenz ermöglicht den Zugang zu lokalen und regionalen Beratungs- und Hilfsangeboten.

Ein Webangebot der les petits frères des Pauvres - Freunde alter Menschen e. V., Hornstraße 21, DE - 10963 Berlin, Telefon: (030) 691 1883, www.famev.de | Impressum.